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_____::: GESCHICHTE :::

 

::: 1882 - 1943 :::

Übersicht

Schon in der Jungsteinzeit (3000 v. Chr.) erkannten die Menschen, daß das Feuer für Sie von Nutzen war. Sie lernten, selbst Feuer zu entfachen und zu hüten. Zu allen Zeiten wurde das Feuer kultisch verehrt. Als die Menschen seßhaft wurden, zuerst in Hüttenansammlungen, später in den Dörfern und Städten, kam es oft bei unachtsamer Handhabung zu Bränden, welche ganze Dörfer und Städte samt den Erntevorräten vernichteten. Schon in alter Zeit gab es bereits Ansätze zur Feuerbekämpfung. So findet man in Österreich in der Römersiedlung FLAVIA SOLVA (bei Leibnitz in der Steiermark) die ältesten Spuren eines organisierten Feuerlöschwesens: Am 14. Oktober 205 erließ Kaiser Septinus Severus einen schriftlichen Bescheid betreffend der Angehörigen der Feuerwehr Flavia Solva. Etwa aus der gleichen Zeit sind die Namen von Feuerwehrführern aus Carnuntum und Vindobona (Wien) bekannt. Die Römer kannten die Eimerkette und hatten einfache Wasserpumpen zur Verfügung. Der Hl. Florian war ein höherer römischer Verwaltungsbeamter, und er wurde im Jahre 304 wegen seines christlichen Glaubens in der Enns ertränkt. Er wurde später heiliggesprochen und ist der Schutzpatron der Feuerwehr. Erst 1583 werden die ersten Feuerspritzen in Mitteleuropa erwähnt. Am 7. September 1782 erließ Kaiser Josef II. eine Feuerordnung. Diese besagte, daß die Brandbekämpfung dem Bürgermeister bzw. dem Dorfrichter obliegt. Dieser konnte alle Anwesenden zur Brandbekämpfung verpflichten. Besonders die Handwerker hatten sich mit ihren mitgebrachten Geräten beim Brandplatz zu melden. Trotz gutem Willen hatten diese Maßnahmen meist nur geringe Wirkungen. Besondere Bedeutung kam damals noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts dem Nachtwächter zu. Er war meist der Erste, der aufkommende Brände bemerkte. Zum Zeichen seiner Wachsamkeit und gleichsam als "Zeitansage" rief er jede Stunde aus und schloß mit den Worten: "... bewahrt das Feuer und das Licht, damit kein Unglück geschicht (geschieht)!" Über Brände von unserer Ortschaft im Mittelalter gibt es keine Aufzeichnungen.
1812
Ein Brand wird erwähnt, wo die ganze Herrengasse Raub der Flammen wurde.
1837
Am 16. August brannte die sogenannte Pfaffenzeile (heute Ölbergstraße) vom Anfang bis zum Pfarrhof ab, später noch einmal der ganze Unterort, wo die Feuersbrunst beim Haus Dussl ihren Anfang nahm.
1846
Am Pfingstsonntag, dem 1. Juni dieses Jahres ist um ca. 1/2 11 Uhr vormittags im Hause Nr. 8 Feuer ausgebrochen; es sind die Häuser Nr. 6, 7 und 8 abgebrannt.
1857
Am 15. August nachmittags 1/2 5 Uhr ist im Hause des Anton Scharinger ein Feuer ausgebrochen, welches 14 Häuser und mehrere Scheunen in kurzer Zeit in Asche legte. Bei den Stallgebäuden des Pfarrhofes konnte es Gott sei Dank aufgehalten werden, da der Wind eine andere Richtung nahm und sehr tapfere Menschen, unter anderem Husaren, die im Quartier waren, halfen. Es mußte noch die ganze Nacht gearbeitet werden, um die Brände und das brennende Stroh von den früheren Strohdächern zu löschen um zu hindern, daß das Feuer nicht die Pfarrgebäude erreicht. Die Wiederherstellung der Dächer kostete 472 Gulden - die Dächer wurden mit Ziegeln gedeckt (Originalzitat aus der Pfarrchronik). In vielen Orten hatten sich aus Turnvereinen des Turnvaters Jahn die sogenannten "Turnerfeuerwehren" gebildet, später kam es zu den Gründungen der Freiwilligen Feuerwehren.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Niederrussbach

Der damalige Pfarrer Karl Eder hielt die Gründung in der Pfarrchronik fest. Es handelt sich hier um eine wortgetreue Abschrift in der damaligen Schreibweise. In das Jahr 1882 fällt auch die Gründung der hiesigen freiwilligen Feuerwehr, der ich (= der Pfarrer als Chronist, Anm.) als Gründungsmitglied mit 10 fl. beigetreten bin d. h. beitreten mußte; denn beim Nehmen sind die Leutchen hier viel bereitwilliger als zum Geben, nach dem Spruche der Russbacher: "Nehmen ist seliger als Geben". Durch Intervention des Feuerwehrhauptmanns von Hadersdorf bei Wien (Westbahn) erhielt die hiesige Feuerwehr zum Ankauf einer Spritze /:nach dem neuen System:/ einen Betrag von 300 fl. von einer sehr wohltätigen Frau Baronin Pechy von Hadersdorf.Nachdem wir und d. h. ich, Herr Bürgermeister Johann Binder und der Feuerwehrhauptmann von hier, Anton Schörg, uns für diese gnädige Spende persönlich bedankten, überreichte nach einer ziemlich langen, sehr freundschaftlichen gehaltenen Conversation die Frau Baronin mir ein Couvert mit einer Spende von 500 fl. für den hiesigen Verein. Mit 800 fl. ging es nun schon leicht, eine neue Spritze zu besorgen. Jetzt wird fleißig damit geübt, damit, wenn sie notwendig zu unserer Hilfe arbeiten soll, sie auch diese Dienste leistet, die wir von ihr erwarten. Bemerkenswert ist wohl der Tag der Einweihung dieser Spritze. Sr. Hochwürden, der Hochverehrte Herr Patron, Franz Hirsch, hatte die Güte, die Benediction unter zahlreicher Assistenz und im Beisein einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge vorzunehmen. Der Tag war ein prächtiger Frühlingstag, sodaß nach meiner Berechnung sich infolge des schönen Wetters gegen 4.000 Menschen sich verleiten ließen, dieser unserer localen Feier beizuwohnen. Unsere Freiwillige Feuerwehr war die sechste Freiwillige Feuerwehr im Feuerwehrbezirk Stockerau. Vor Niederrussbach wurden beispielsweise nur Stockerau (1869), Grafendorf (1870, heute Stockerau), Spillern (1872), Niederfellabrunn (1875) und Obermallebarn (1881) gegründet.

Im Gründungsjahr erhielt die hiesige Feuerwehr auch ein Zeughaus. Die Einweihung nahm der hochverehrte Herr Hochwürden Franz Hirsch vor. Die Uniformen waren damals einheitlich im beigen Drillich-Stoff gehalten.


1870
Als rechtliche Grundlage diente die Feuerpolizeiordnung für das "Erzherzogtum u. d. Enns" die am 1. Juni 1870 erlassen wurde.
1883
Am 20. Oktober 1883 war neben anderen Feuerwehren auch eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Niederrussbach bei einer großen Schauübung in Großweikersdorf. Vor dem Zeughaus wurde ein 20 Meter hoher Steigbaum aufgestellt. Oben am Steigbaum war ein Klobenrad mit einer Eisenverstrebung angebracht, über dem Klobenrad hing eine 45 Meter lange, sehr enggliedrige Kette, mit der man die nassen Schläuche nach einem Einsatz zum Trocknen aufziehen konnte. Von der Spitze des Steigbaumes konnte man aber auch die Brände im Dorf oder in den Nachbargemeinden genau feststellen.
1884
Eine Abordnung fuhr zur Spritzenweihe nach Hausleiten.
1885

Am 5. Juli kam es zu einer der größten Überschwemmungen, die schreckliches Unheil anrichtete. Der Bericht lautet: Über Ebersgrund zur Birkleithen hin wurde eine kleine Wolke sichtbar, die sich über die halbe Ortschaft ausbreitete. Die Wolke senkte sich sehr tief, sodaß die Leute, die in den Weingärten und auf den Feldern arbeiteten, nur die Kirchturmspitze hervorragen sahen. Es erfolgte ein Donnerschlag und es erhob sich ein furchtbarer Sturm. Russbach sah aus, wie in Nebel gehüllt. Plötzlich begann es derart zu schütten, daß in unglaublich kurzer Zeit alles bis zum Wege der Pfaffenzeile in Wasser stand. Das Wasser füllte in der Herrengasse und im Winkel viele Keller, hob die Gewölbe aus, sodaß Keller einstürzten. Dabei ging viel Wein zugrunde. Im Hause Nr. 55 sank ein großer Teil des Hofes sowie die Küche in den Hauskeller. Die 30- und 40-Eimerfässer, mit Wein gefüllt, wurden vom Wasser gehoben. Da sie aber fest verspundet waren, so war der Wein gerettet. Besonders arg mitgenommen wurde "der Winkel". Das Wasser sprengte die Tore der Scheuern auf und man sah da Garben, Werkzeuge, Holz usw. auf dem Wasser schwimmen. Ein Zug Pioniere war hierher beordert, grub die verschütteten Fässer in den Kellern aus, stützte die beschädigten zum Teile eingestürzten Häuser und leistete Hilfe, wo es nottat. Wie reißend das Wasser von dem Weinberg herunterstürzte, beweist die Angabe einer Frau, die zur Zeit des Wolkenbruches mit ihrem Söhnchen den sogenannten Gatternweg hinausgehen wollte. Beide wurden von den Wassermassen fortgetragen, konnten sich jedoch eine Staude am Wegrande ergreifen und retteten sich so. Für die Beschädigten wurde in vielen Orten gesammelt und eine Unmenge Geld erhielt das Gemeindeamt zur Aufteilung an die Beschädigten. So konnten diese ihre verwüsteten Häuser herrichten, die Keller aufbauen usw. Auch manche Beschädigten erübrigten noch Geld, welches sie der Sparkasse anvertrauten. Von weit und breit kamen Neugierige hierher, um die furchtbaren Greuel der Verwüstung zu besichtigen. Als viele Häuser unter Wasser standen, zeigte sich, daß man mit der Spritze die tiefen Keller nicht auspumpen konnte. Das Wasser mußte damals mit Butten heraufgetragen werden. Es wurde daraufhin beschlossen, eine Kolbenpumpe, Hydrophor genannt, zu kaufen. Diese wurde aber erst um 1890 gekauft. Die Kolbenpumpe war auf einem zweirädrigen Karren aufgebaut, der von den Feuerwehrmännern bis zur Einsatzstelle gezogen wurde. Die Pumpe konnte dann vom Fahrgestell genommen werden und von vier starken Männern in jeden tiefen Keller getragen werden. Man brauchte nur zwei Meter Saugschläuche, weil die Pumpe nach dem fallenden Wasser nachgezogen wurde.

1888
In diesem Jahr kam ein Schadensfeuer zum Ausbruch und verzehrte die ziemlich volle Scheune des Anton Kerner. Bei den Löscharbeiten half auch die Freiwillige Feuerwehr Hausleiten.
1890
Die Freiwillige Feuerwehr Seitzersdorf-Wolfpassing half bei einem Brand in Niederrussbach. Auch zwischen 1902 und 1904 wird in der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Seitzersdorf- Wolfpassing ein Brandeinsatz bei uns erwähnt. Um die Jahrhundertwende wird noch eine kleine Kolbenpumpe gekauft, die von zwei Männern überall hingetragen werden konnte. Ihre Leistung war einmalig.
1910
Am 3. Jänner brach im Keller des Kaufmannes Karl Schmidt ein Feuer aus und es hätte, da brennbare Stoffe wie Öl und Benzin lagerten, leicht ein Unglück entstehen können. Die hiesige Feuerwehr arbeitete mit wahrer Todesverachtung an der Löschung des Brandes, was auch glücklich gelang. Der Schaden war unbedeutend.
1911
Bei der Bischöflichen Visitation warteten Feuerwehr und Veteranenverein mit einer zahlreichen Menschenmenge auf den Bischof. Abends fand ein Fackelzug der Veteranen und der Feuerwehr statt.
1913
Am 4. Februar brannte der Dachstuhl des Rudolf Ebermann gehörenden Inwohnerhauses ab. Das Feuer war durch ein sechsjähriges Kind gelegt worden. Während des 1. Weltkrieges mußten viele Feuerwehrmänner einrücken, über Brandeinsätze ist nichts bekannt.
1915
Eine Sanitätsgruppe, bestehend aus Männern von Nieder-, Oberrussbach, Tiefenthal, Stetteldorf und Eggendorf wird mit 76 Kronen subventioniert.
1920
Am 9. Mai war ein Feuerwehrfest, das durch den Brand der Scheuer des G. Schoßwald gestört wurde. Der Schaden war sehr groß, daß der Abbrändler seine Scheune bei den hohen Preisen nicht mehr aufbauen konnte, weshalb in der Gemeinde eine Sammlung eingeleitet werden mußte.
1921
Die Uniformen blieben in der hiesigen Feuerwehr bis 1921 gleich. 1921 kaufte man dann Restbestände vom 1. Weltkrieg. Diese Waffenröcke waren graublau und wurden vom damaligen Schneidermeister Karl Aigner auf "Extrablusen" umgearbeitet. Dazu wurden eigene dunkle Hosen in verschiedenen Farbtönungen getragen, was einen sehr schönen Eindruck machte. Früher hatte der Hornist der Freiwilligen Feuerwehr die Aufgabe, die Feuerwehr zu den Einsätzen zu alarmieren und während des Einsatzes die dafür vorgesehenen Signale zu geben.
1922
In diesem Jahr feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 40-jähriges Gründungsfest.
1925
Die hiesige Florianikapelle, die sehr schadhaft war, wurde niedergerissen und ganz neu hergestellt. Die Kosten bestritt zum Teil die Gemeinde (S 500,-). Große Verdienste um die Neuherstellung hatte sich Franz Gruber (Nr. 75), der die notwendigen Fuhren und auch die notwendigen Handlangerdienste umsonst machte, erworben. Die Kapelle wurde am 28. Juni geweiht.
1928
Die Feuerwehr Niederrussbach bekam unter dem damaligen Hauptmann Direktor Johann Hein und dem Bürgermeister Josef Pöschl als erste Landfeuerwehr im Bezirk eine Autospritze. Die Einweihung fand unter dem Hochwürdigen Herrn Pfarrer Anton Hofmann statt. An den Feierlichkeiten nahmen teil: Reg.-Rat Stögermaier aus Korneuburg, Mitlöhner aus Stockerau und viele Feuerwehren. Die Autospritze kostete 20.000,- Schilling. Einige technische Daten zu der Autospritze: Fabrikat Steyr 12, 6-Zylinder Benzinmotor, ca. 80 km/h Höchstgeschwindigkeit, Rechtssteuerung, Aufbau und Vorbaupumpe Firma Rosenbauer. Die Pumpe wurde mittels Einrastklaue zum Antrieb zugeschaltet. Es handelte sich um eine Kreiselpumpe mit eigener Ölpumpe zum Ansaugen. Besatzung 1 : 8.
1932
Ein Brandeinsatz wird in Großweikersdorf erwähnt.
1933
Die Teilnahme am 50-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Großweikersdorf wird erwähnt. Feuerwehrhauptmann Johann Hein wird am 8. Juni 1934 zum Ehrenmitglied ernannt. Hauptmann Hein war zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre Feuerwehrmitglied und feierte seinen 50. Geburtstag.
1936
Es brannte die Scheune des Josef Ebermann nieder.
1937
Großes Hochwasser in Niederrussbach.
1938
Durch den Anschluß an das Deutsche Reich kam es bei uns zu keinen personellen Veränderungen, die rechtlichen Grundlagen der Feuerwehr änderten sich. Der Österreichische Feuerwehrverband wurde am 3. Juli in Salzburg aufgelöst. Mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. November 1938 wurden die Feuerwehren zu einer Hilfspolizeitruppe der Gemeinden umgestaltet. Statt des Hauptmannes gab es nun den Wehrführer, die Feuerwehren wurden als Verein aufgelöst, das Vermögen der Freiwilligen Feuerwehr sowie die schriftlichen Unterlagen mußten an die Gemeinde abgegeben werden. Unsere Feuerwehr gehörte der "Feuerbereitschaft 23" an.Diese hatte ihren Hauptstützpunkt in Tulln. Ihr gehörten neben Niederrussbach die Feuerwehren Tulln, Großweikersdorf, Zwentendorf, Greifenstein, St. Andrä-Wördern, Zeiselmauer und Königstetten an.